Für unsere kleinen Leser

 
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Bücherkoffer für Kindergärten und Volksschulen
Er enthält klassische Kinderbücher, die man einfach kennen sollte oder die neu aufgelegt worden sind, sowie die Novitäten 2015/16 am Kinderbuch- und Pädagogiksektor - er dient also in erster Linie der Information und ist nicht als klassische Buchausstellung gedacht. Um einen Termin zu vereinbaren, rufen Sie uns bitte an - 02635 62284!

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Der Neunkirchenkrimi

 

Der Neunkirchenkrimi


„BANKENSTERBEN“


erscheint ab jetzt wöchentlich auf unserer Website.

Alles fiktiv. Natürlich.

 

- Kapitel 1 -
 Der Tag begann wie alle diese Tage beginnen, von denen man später sagt: Das war nicht mein Tag. Ein bisschen zu spät aufstehen obwohl man eigentlich ein bisschen früher aufstehen wollte, doch noch schnell Haare waschen – deshalb wollte man ja früher aufstehen – dann halbgefönt und schnell geschminkt  in Hose, Pulli, Stiefel und Mantel, das Auto notdürftig abgekratzt, starten und auf das hustende Geräusch warten – das dann nicht kommt. Sie versuchte es, abwechselnd Beschwörungen und Gebete murmelnd, noch ein paar Mal – du Kiste du blöde, genau jetzt – ein kraftloser Hupfer, aber die blöde Kiste rennt – danke lieber Gott, danke, sobald ich in der Bank bin, mache ich mir einen Termin mit der Werkstatt!
Sie fuhr die Triester Straße hinunter, eigentlich zu schnell für die letzte Kurve, ein leichter Schlenkerer – puhh, das wäre noch die Krönung gewesen, beim Stempelgeschäft in der Auslage stehen, direkt vor der Buddel…..
 
Seit sie vor einigen Wochen von der Volksbankfiliale Gloggnitz in die Neunkirchner Filiale gewechselt hatte, war sie noch nie unpünktlich gewesen – heute hatte sie Frühdienst, außer ihr war noch niemand da, trotzdem wollte sie sich korrekt verhalten – sie wollte den Kollegen zeigen, dass man sich auf sie verlassen konnte.
 
Sie identifizierte sich mit ihrer Karte,  schloss auf und schaltete die zusätzliche Alarmanlage für nachts aus. Erst nachdem sie die Kaffeemaschine eingeschalten hatte – der erste Kaffee heute! – hängte sie ihren Mantel auf  und holte einen neuen Karton Druckerpapier aus der kleinen Materialkammer.
Im Halbdunkel dort stolperte sie dann über die Leiche.

- Kapitel 2 -
Das Gefühl erkannte sie sofort – als sie 18 war und ihr damaliger Freund beim Tanzen den Hals ihrer – bis zu diesem Zeitpunkt allerdings nur – besten Freundin angeknabbert hatte, war es ihr genauso gegangen: das Herz klopft ganz oben im Hals und sinkt aber gleichzeitig ganz tief in die Magengrube, man möchte umfallen oder weglaufen oder zumindest ohnmächtig werden oder aufwachen, aber nichts von alldem passiert – der robuste Frauenkörper wird damit - nicht gerade spielend, aber doch – fertig und man muss sich fassen und überlegen: was nun? Damals hatte sie zwei Beziehungen gleichzeitig mit einem wohldosierten Befreiungsschlag beendet (wirklich wohldosiert, sie war sportlich und es hätte schlimmer kommen können, außerdem konnte sie wohl einschätzen, dass die Dorli mehr ausgehalten hätte). Sie zwingt sich, tief durchzuatmen, dreht sich um, ist schon wieder klar genug, die Bank sicher zu versperren und hetzt die Triester Strasse hinunter die 200 Meter bis zur Stadtpolizei. Telefonieren könnte sie nicht – dazu zitterte sie zu sehr.
Die Stadtpolizei ist im Gemeindeamt und hat außen für den Fall, dass die Wachstube gerade nicht besetzt ist, einen Alarmknopf. Sie lässt sich gegen die Mauer fallen und presst die ganze Hand auf den Knopf – unheimlich lang, wie ihr vorkommt. Und nicht nur ihr – „SANS DEPPAT?“,  kommt es aus der Gegensprechanlage.
„In der Volksbank liegt a Leich“ presst sie heraus. Stille – dann: „Die hot jo no gornit offen!“

- Kapitel 3 -
 Klaus Wetzstein steigt leicht aufs Gas – die Siebziger-Beschränkung nach dem offensichtlichen Industriegebiet ist aufgehoben. Er fährt an einem futuristisch anmutenden AGM vorbei, dann am VW-Auslieferungslager, dann hätte er die Möglichkeit, über die Autobahn nach Neunkirchen zu fahren – oder aber auf der Bundesstraße zu bleiben.
Er war noch nie in Neunkirchen – auch Wr. Neustadt kennt er nur von gelegentlichen überregionalen Besprechungen, sein Büro ist in St. Pölten und die Gegend hier eigentlich „nicht sein Revier“ – aber die Sparmaßnahmen sind auch bei der Kriminalpolizei angekommen und so kann es schon mal passieren,  dass man zu einem Tatort fast 100 km zurücklegen muss.
Er hat sich informiert, wie man von Wr. Neustadt, wo er sich alle verfügbaren Informationen geholt hat, nach Neunkirchen kommt – ein Navi verwendet er aus Prinzip nicht. Seiner Meinung nach trägt dieses entscheidend zur Verblödung der Menschheit bei. Jeder Mensch sollte imstande sein, eine Karte zu lesen und sich entsprechend in der Natur zu orientieren. Wenn man auf einen Ort zufährt – so seine Theorie – sieht man den Kirchturm, also das Zentrum, und das sollte  reichen, sich entsprechend zurechtzufinden – in der Regel sind  dort Hauptplatz, Gemeindeamt und meistens auch die Polizeidienststelle – also sein Einsatzort. Langsam rollt er Richtung Zentrum – links ein großer Krankenhauskomplex, rechts ein türkischer Bäcker – den muss er sich merken, türkisches Weißbrot und Oliven, ein Glas Rotwein – schon weiß er, dass der Tag wenigstens gut enden wird…
Richtung Zentrum geht es über eine eiserne Brücke, dann ist rechts ein altes Industriegebäude – Wetzstein war noch nie hier, glaubt sich aber erinnern zu können, dass es hier einmal einen großen Betrieb gegeben hat, dessen Ende auch das Ende der wirtschaftlichen Blüte dieses Ortes bedeutete. Was produziert wurde, taucht allerdings nicht aus der Tiefe seines Gedächtnisses auf. „Zum historischen Stadtkern“ – na also, Anti-Navi-Theorie  bestätigt – Kreisverkehr, Einkaufszentrum, und weiter Richtung Kirchturm.
Die Einbahn beschreibt eine S – Kurve und die Kirche liegt rechts, hinter der Fleischhauerei Krügel, und der Stadtplatz links.  Das Gemeindeamt ist auf der drüberen Seite, er hält kurz links an um sich zu orientieren.
In diesem Augenblick klopft es an die Windschutzscheibe, ein Polizist deutet ihm weiterzufahren. Natürlich könnte Wetzstein seine Marke herausziehen und sich quasi als Kollege zu erkennen geben – das verstößt aber gegen seine Prinzipien. Je uninformierter man einen Tatort betritt, desto mehr ist man auf seine eigenen Eindrücke angewiesen. Oft schon war der entscheidende Ermittlungsfortschritt, wenn er sich ganz an den Anfang zurückversetzte: was war der erste Eindruck überhaupt gewesen?
Und so fragt er jetzt nur, wie er zum Gemeindeamt kommt. SCHLOSSBERG, so der Namenszug auf der Uniform, nickt freundlich und deutet auf die Strasse, die Wetzstein heraufgekommen ist: „Da weiter, bei der zweiten Möglichkeit links, das ist die Talgasse, die bis zum Ende, nach links raus auf die Semmeringstrasse, bei der zweiten Ampel links, vorm McDonald´s dann Richtung Stadt!“ Wetzstein sieht ihn forschend an. „Ich will nur da drüben hin“, sagt er schließlich und deutet zum Gemeindeamt. „Naja“, sagt Schlossberg, jetzt bereits mit einem nachsichtigen Lächeln, „habe ich ja gerade erklärt. Wir haben eben ein Einbahnsystem, das in Ihrem Fall jetzt grad ein bissl kompliziert ist.“ Dann schlägt er sich mit der Hand auf die Stirn: „Blödsinn, geht ja gar nicht – also so können Sie nicht fahren. Vor der Volksbank ist ja abgesperrt“ und mit ernster Miene – „ein Toter, in der Volksbank, wissen Sie!“ Das ist das einzige, was Wetzstein weiss – der Weg dorthin, zur Volksbank nämlich, und vorher zur Dienststelle, liegt weiter im Dunkeln. Aber Schlossberg hat schon einen anderen Plan: „Auf der Strasse bleiben bis der Panoramapark links liegt, dann nach rechts, an P1 vorbei, über die Fabriksgasse, durch P2, bei der Post rauf, rechts ist dann der Parkplatz vom alten Intersport – dort parken.“ Als er in Wetzsteins ungläubiges Gesicht schaut, sagt er noch stolz. „Die erste halbe Stunde ist gratis!“


- Kapitel 4 -
 Wetzstein hat schließlich doch die erste Variante gewählt, die hatte er noch am besten im Gedächtnis, und hat die Meldung in der Dienststelle großzügig übersprungen. Er ist die Triester Straße hinuntergefahren und hat sich vor der Sperre eingeparkt. An seiner Einstellung zu Navigationsgeräten hat sich eigentlich nichts geändert, nur seine Meinung über Verkehrsplaner und –planung im allgemeinen ist grad ziemlich im Keller. Jetzt mit seinem Ausweis marschiert er in die Volksbank, ein Kollege von Schlossberg, TALER, zeigt ihm Tatort, Opfer und gesicherte Spuren.
Das Opfer liegt im gekrümmter Haltung auf dem Bauch, Cordjean, wattierte Jacke, die Amtsärztin hat ihn nach einer ersten Untersuchung wieder in die Lage gebracht, in der er gefunden wurde. Als zwei Polizisten den Mann jetzt auf die Bahre heben, sieht Wetzstein, dass er ungewöhnlich attraktiv war – braun gebrannt, mit blau-schwarzen Haaren. Keinesfalls Typ Ganove, eher Typ Gigolo. Taler hatte sich bereits umgehört: „Der Mann gehört zu dem italienischen Markt, der gerade am Hauptplatz ist. Salami & Salametti – Saccho & Vanzetti – ihm gehört der Salamistand“, fügte er schnell hinzu, als er Wetzsteins Blick sah. „Giovanni Saccho – der Name des Partners dürfte nur ein Gag sein, angeblich hat er das Standl immer alleine betrieben.“
Die Amtsärztin packte ihre Tasche zusammen. „Wäre er nicht da herinnen gefunden worden, würde ich sagen, Herzstillstand – er hat keine Verletzungen, außer von dem Sturz natürlich, aber auch die nur minimal. Aber in Zusammenhang mit dem Fundort muss ich natürlich obduzieren. Bis abends bin ich sicher soweit.“
Als die Bahre durch die Schalterhalle getragen wurde, beobachtete Wetzstein die versammelten Angestellten: eine kleine Truppe – der Filialleiter, zwei junge Frauen und ein ganz junger Mann ( „Frischling“, speicherte Wetzsteins Personengedächtnis). Die Frau, die über die Leiche gestolpert war, war Mitte Dreissig und absolut gefasst – sie gehörte zu jenen, dachte er, die jede Situation durchkämpfen und irgendwann später erst in die Knie gehen – er mochte solche Frauen. Belastbar, entschlossen und nicht zimperlich.
Was man von ihrer Kollegin nicht behaupten konnte: ihre großen Augen blickten verschreckt und als der Leichnam vorbeigetragen wurde, schossen ihr Tränen in die Augen. Und sicher nicht das erste Mal an diesem Tag, registrierte Wetzstein, als er ihr fleckiges Gesicht betrachtete. Als die Trage gegen ein vorspringendes Schreibtischeck rumste, fiel Sacchos Jacke vorne auseinander, man sah den Pulli darunter mit einem Schriftzug quer über die Brust: ARRIVIDERCI.

- Kapitel 5 -
Schlossberg sah Wetzstein erschrocken an: „Sie hätten mir doch nur Ihren Ausweis zeigen müssen, oder was sagen…“ Um dem Kollegen die Verlegenheit zu nehmen, erläuterte Wetzstein schnell seine Theorie von der Sichtweise des Außenstehenden, was auch dankbar und fachmännisch – Kriminalisten unter sich – akzeptiert wurde.
Er entschied, die Bankangestellten gleich zu befragen. In der Zwischenzeit würden die Kollegen dann die Filme der Überwachungskameras überspielt haben, außerdem konnte man natürlich feststellen, mit welcher Karte sich der Tote identifiziert hatte um in die Bank zu kommen – das Ergebnis war für den Nachmittag zu erwarten.
Um eine ruhige Besprechungsecke hatte Wetzstein gebeten, nicht so leicht zu finden, hatte sich herausgestellt – der Filialleiter hatte etliche Termine am Vormittag, natürlich in seinem Büro, die Schalterhalle sollte in den nächsten Minuten wieder für die Kunden geöffnet werden. Blieb die Materialkammer – der Tatort sozusagen.
Das Gespräch mit dem Bankleiter ergab für Wetzstein vor allem eines: ein Banker bleibt ein Banker, ob er jetzt am Finanzplatz London oder am Finanzplätzchen Neunkirchen arbeitet. Er war in erster Linie glücklich, dass der Überfall – so es einer war – nicht gelungen war, und in zweiter Linie wollte er so schnell wie möglich die Bank aufsperren, damit seine Kunden ihren Geschäften nachgehen könnten.
Die Interessen der Kriminalpolizei waren naturgemäß anders gelagert – „Finance is was anderes als die Kieberei“, um eine österreichische Ministerin zu zitieren….
 Laut Bankstellenleiter war der Eingang zur Bank zweifach gesichert – mit Schlüssel und Chipkarte, der Tresorraum nochmals mit einer speziell entwickelten Karte mit Magnetkennung, ein Pilotprojekt, wie Hr. Handler stolz berichtete. Da die Alarmanlage nicht los gegangen war, musste der Tote in Besitz beider Karten und des Schlüssels gewesen sein. Rätselhafterweise hatte man nichts davon bei ihm gefunden.
Das Pilotprojekt, führte Hr. Handler noch aus, sei absolut geheim – die Mitarbeiter seien zu absolutem Stillschweigen verpflichtet worden. Den Toten selbst hatte er noch nie gesehen.
Margareta Absamer, die den Toten entdeckt hatte, war im ersten Moment zu geschockt gewesen, ihn überhaupt genau anzuschauen. Später erst hatte sie die ungewöhnliche Haarfarbe mit dem italienischen Markt in Verbindung gebracht – natürlich kannte sie den Mann! Gestern hatte sie bei ihm Salami gekauft, ganz viele verschiedene Sorten – immer nur ein paar Blatt, Kostproben sozusagen. Aufgefallen war ihr dabei nichts, er hatte auch keine besonderen Fragen gestellt, die Bank betreffend – wie auch, er wusste ja nicht einmal, dass sie dort arbeitete.
Wetzstein hatte sich nicht getäuscht in seinem ersten Urteil: sie wirkte sachlich und kooperativ, ohne sich mit „Es war so furchtbar“ und ähnlichem in den Vordergrund zu spielen. Er folgte einer Eingebung: „Ihre Kollegin ist völlig aufgelöst, können Sie sich das erklären?“  „Die Evi ist einfach nah am Wasser gebaut“, antwortete sie schnell, und – nach einigem Nachdenken: „Man weiß ja, wie viele Banken überfallen werden, wir haben ja auch Schulungen und so, aber wenns dann passiert…“
Gerade hatte „die Evi“, genauer Eva Marek, vor ihm Platz genommen, als Taler nach kurzem Klopfen von der Tür her fragte: „Die Theorie, dass man als Außenstehender mehr sieht – finde ich super, aber – gilt das für die gesamte Ermittlung?“ „Naja“,  war Wetzstein vorsichtig. Taler war offensichtlich erleichtert:  „Als Außenstehenden wird Ihnen grad das Auto abgeschleppt…“
 „Wir melden uns, wenn wir was brauchen!“ rief Wetzstein im Hinauslaufen der um Fassung bemühten jungen Frau zu.

 - Kapitel 6 -
 
Nachdenklich biss Wetzstein in die Leberkässemmel. Dass in der Nacht soviel los ist vor der Volksbank, das hat ihn schon ziemlich erstaunt. „Mehr als am Tag“, hat er doch sehr zynisch zu Taler gesagt. 
Da ist beispielsweise der Bürgermeister vorbeimarschiert – allerdings ohne im Eingangsbereich der Bank stehenzubleiben, die Kamera über der Tür hat diese 5 Meter schön im Bild. Wetzstein dachte an den kurzen Blick ins Büro des Bürgermeisters: auf verschiedenen Fotos sieht man zwar Pfingsterer – den Bürgermeister – vor malerischen Motiven in unserem südlichen Nachbarland, aber der Mann, mit dem er posiert, der sieht ein bisschen anders aus als unser Salamiverkäufer. Nicht so weltlich, eher päbstlich – wobei Saccho ja zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr von dieser Welt war…Wie auch immer, einen Zusammenhang zwischen den italienischen Marktfahrern und dem Bürgermeister war nicht zu erkennen. Nach Neunkirchen gekommen ist der Markt ja auch auf Initiative des hiesigen Druckereibesitzers. 
Wetzstein beschließt, sich noch eine Leberkässemmel zu gönnen und eine kleine Runde durch die Innenstadt zu machen. „Aus dem Land der 1000 Hügel – kommt das Schneebergschwein zum Krügel“. Daneben ein offensichtlich fröhliches Schwein, das seiner Bestimmung entgegengaloppiert, und ebenfalls gutgelaunt ob der Botschaft des Plakats, ordert er den zweiten Gang sozusagen. 
Touristisch hätte nichts Besseres passieren können als dieser – sagen wir halt einmal: Todesfall. Aufgeregte Leute füllen den Hauptplatz, die Italiener mit ihren bunten Ständen und typischen Gesten wirken wie aus einem Werbefilm. Die Verkäufer ziehen alle Register um ihre Ware an den Mann, aber besonders an die Frau zu bringen – feurige Blicke, schmachtende Augenaufschläge, leises anerkennendes Pfeifen. Scheinbar zusammenhanglos fällt dem Kriminalbeamten die verweinte Evi aus der Bank ein – mit ihr muss er unbedingt noch reden.  
Vizebürgermeister Rebhandl auf seinem Fahrrad bremst sich neben ihm ein: „Schön bei uns, nicht?“ Dann fällt ihm ein, warum der andere eigentlich da ist und er präzisiert: „Ich meine, weil am Hauptplatz keine Autos fahren und man nicht aufpassen muss….“ „Dafür muss man aufpassen, wo man es hinstellt“, kontert Wetzstein, doch noch etwas sauer nach der Abschleppaktion seines Fahrzeugs, „und für Italiener ist das Klima da ja nicht grade zuträglich….“ 
Schließlich wandert er dann in Richtung der kleinen Druckerei Hammerstiel, schräg gegenüber der Volksbank in einem schönen alten Gebäude mit dem alten Zunftzeichen über dem Tor. Die Geschäftsräume gehen auf die Strasse, trotz der Mittagsstunde ist geöffnet und man hört die Druckmaschinen. 
Die Frau, die am PC arbeitet, mustert ihn frostig. „Mein Mann hat die Italiener angeheuert, damit sich was tut hier- um die Wirtschaft zu beleben. An diese Art von Belebung haben wir aber nicht gedacht…“ „Mich beschäftigt auch eher das Ableben“, erwidert Wetzstein, der auch frostig sein kann.. 
„Es ist sicher so, dass der Markt nicht so gut läuft, wie wir – oder die Italiener – sich das erwartet haben.“ Unbemerkt war Hammerstiel dazugetreten. „Aber sie sind absolut seriös und ich kann mir das alles nicht erklären. Jedenfalls habe ich sie nicht hergebracht, um die Bank auszuräumen!“ Seine Frau dreht sich langsam zu Wetzstein um und sagt theatralisch; „Ich wars! Ich hab ihn angestiftet! Damit sich endlich was tut in dieser Geisterstadt…“ Noch ehe er reagieren kann, macht der Mann eine zwar elegante, aber eindeutige Handbewegung in Richtung seiner Frau: „Frauen haben einfach einen anderen Humor“, und ironisch lächelnd setzt er nach: „Wir haben außerdem unser Konto bei der Sparkasse Neunkirchen!“ 
Wetzstein war ausgesprochen empfindlich, wenn man sich auf seine Kosten amüsierte und trat den Rückzug an. 

 

- Kapitel 7 -
Nicht dass Wetzstein wirklich glaubte, der gemütliche Drucker hätte mit Saccho gemeinsame Sache gemacht. Auch den biederen Pfingsterer und den asketischen Rebhandl hatte er nicht ernsthaft in Verdacht. „Politik“ bedeutet zwar – laut Duden – zielgerichtetes Handeln, und Neunkirchen fehlte es insbesonders und vor allem an Geld, aber ein Banküberfall bzw. die Beteiligung an einem solchen wäre für einen Politiker schon eine erstaunlich geradlinige Lösung gewesen.
Trotzdem war es auch unwahrscheinlich, dass Saccho nach Neunkirchen gekommen war, die Volksbank gesehen und zu sich selbst gesagt hatte: Ah, so eine piccola banca di populo, nix grande cosa kassieren monetas!
( Wetzsteins Italienisch war über lebenswichtige Floskeln wie „Una camera per due persone“ oder „due panini“ nie hinausgekommen,  also musste der tote Saccho sich in gebrochenem Deutsch verständlich machen.)
Irgendjemand musste Sacchos Augenmerk auf die kleine Bank gelenkt haben, bzw. ihn als Komplizen angeheuert haben. Der Film der Überwachungskamera über den Tresorraum bestätigte diese These: man sah  Sacchos blauschwarz gelockten Hinterkopf, die Hand, die eine Karte in das kleine Kästchen neben der Tür schob. Dann schien sich sein ganzer Körper zu verkrampfen und er fiel zu Boden, wo er in Embryonalstellung liegenblieb.
Die nächste Kamerabewegung wurde laut mitlaufender Kamerazeit um 7.45 Uhr aufgezeichnet – Margaretha Absamer kam ins Bild. Wetzstein sah ihren Rücken, der einige Sekunden ganz starr verharrte, dann bückte sie sich langsam und legte Saccho kurz die Hand auf die Brust – davon hat sie bei der Vernehmung gar nichts erzählt, dachte er – und machte schließlich kehrt, als wäre der Teufel hinter ihr her.
Und mitten in seine Überlegungen platzte Schlossberg mit dem, was er später, wenn er seinen Freunden und Bekannten von „seinem“ Neunkirchner Kriminalfall erzählte, als die „erste Bombe“ bezeichnete. „Der Bericht des Technikers ist da – wir wissen jetzt, welche Karten Saccho verwendet hat!“
- Kapitel 8 -

Die Evi sah zwar nach wie vor ziemlich mitgenommen aus, war aber deutlich gefasster als am Morgen.  Als ihr aber Wetzstein eröffnete, dass Saccho mit ihren Karten in die Bank gekommen war, brach sie sofort zusammen. Komplett vernichtet kauerte sie auf ihrem Stuhl. Die Tränen liefen ihr übers Gesicht, als sie ihre Geschichte erzählte: Schon als der Italienmarkt die letzten Male in Neunkirchen war, hatten sie sich näher kennengelernt, Saccho und sie. Diesmal hatte sie schon ungeduldig auf ihn gewartet. Natürlich hatte sie mit niemand drüber reden können – ein Marktfahrer, sie konnte es ja selbst kaum glauben. Und er hatte sie zu sich nach Italien eingeladen – nur eine hatte davon gewusst, aber erst seit vorgestern: die Margaretha aus der Bank. Sie hatte sie in der Buchhandlung Reithmeyer getroffen, als sie gerade den bestellten Italienischkurs abgeholt hatte.  Die Margaretha hatte eine Wanderkarte gesucht, sie wollte nach Mariazell.

Die Evi war schon öfter verliebt gewesen, aber diese Geschichte war etwas ganz anderes. Für solche feinen Unterscheidungen – verliebt, was Ernstes, für Immer – hat man als Frau einfach ein untrügliches Gefühl.

Wetzstein versuchte, ernst zu bleiben, der Zyniker in ihm drängte zu einer entsprechenden Bemerkung.

„Und dann“, fährt die Evi schluchzend fort, „ist er da gelegen – und ich hatte solche Angst, dass er mit meinen Karten reingekommen ist und dass er nur deshalb mit mir etwas angefangen hat…..Und dann komme ich nach dem ganzen Theater heute früh zu meinem Schreibtisch, öffne die oberste Lade und da liegen meine Karten – ich hab`sie nur vergessen gehabt!“

„Sind Sie ganz sicher – Ihre beiden Karten waren da?“ Wetzstein ist verblüfft, bei Saccho wurden keine Karten gefunden, das stimmt, aber wie konnten sie, nachdem er mit ihnen in die Bank gekommen war, in Evis Schreibtisch  sein? Unmittelbar nach Einstecken der Tresorraumkarte war er zusammengebrochen, er konnte sie unmöglich zurückgelegt haben. Und während Wetzsteins Gehirn noch die neuen Informationen sortierte, bewertete und irgendwie zueinander in Beziehung zu setzen versuchte, stürzte Taler zur Tür herein – mit der „zweiten Bombe“…..

- Kapitel 9 -

„Was hatte Saccho im Kopf?“ fragte Wetzstein entgeistert, „eine Metallplatte? So etwas kenne ich nur von Kriegsverwundungen, er war doch erst dreissig oder so?“ „Laut Obduktionsbericht wahrscheinlich nach einem Verkehrsunfall eingesetzt – im allgemeinen kein Problem. Auf starke Magnetfelder trifft man in der Natur kaum, vielleicht auf Flughäfen – aber die Betroffenen können natürlich damit umgehen. Zu einer solchen Reaktion kann es nur kommen, wenn ein zusätzlicher Risikofaktor hinzukommt – vielleicht hatte er ein schwaches Herz, vielleicht war auch die Situation einfach zu aufregend…“ Taler unterbrach seinen Bericht: „Klingt unheimlich, Metallplatte im Kopf – es gibt doch sicher Gefahrensituationen, mit denen man gar nicht rechnet!“

Wetzstein nickte nachdenklich: „Wie eben das neuartige Sicherungssystem der Volksbank, das mit einem starken Magnetfeld arbeitet. Für jeden anderen völlig ungefährlich – für ihn war es das Todesurteil. Letztendlich Herzversagen – wir sehen ja im Film der Überwachungskamera, wie schnell es gegangen ist.“

Taler schüttelte ungläubig den Kopf: „Er macht sich an diese Evi ran, nimmt heimlich ihre Karten, kommt damit in die Bank und wumms – das wars dann? Bevor er noch das Geld gesehen hat – das ist schon eine wahnsinnige Geschichte!“

„Mit einem letzten mysteriösen Detail“, dachte Wetzstein,  als er die Aufnahmen der Überwachungskamera nochmals durchging, das Umsinken Sacchos und das  Eintreten Margaretha Absamers. Er sah sie nur von hinten, wie sie sich vorbeugte, nach seiner Brust griff, danach konnte er nur ihren Handrücken sehen – nicht, ob sie etwas in der Hand hatte, zwei Plastikkarten vielleicht, um die Kollegin zu schützen.

- Vorletztes Kapitel - 

 

Wetzstein lächelte. Diese Margaretha Absamer war wirklich nicht schlecht – schnelle Auffassungsgabe und cool genug, entsprechend zu handeln.

Er beschloss um dieses Detail kein großes Aufheben zu machen, der Fall war ohnehin klar – der Evi war aus ihrer Dummheit ohnehin kein Strick zu drehen.

Ordentlich sammelte er sämtliche Berichte und Gesprächsnotizen ein und schloss die Mappe, den Bericht wollte er zu Hause schreiben oder – besser noch – morgen im Büro.

Taler und Schlossberg waren unterwegs, langsam schlenderte Wetzstein über den Hauptplatz. Sie konnten nicht weit sein und er hätte sich gerne persönlich verabschiedet. Die Buchhandlung hatte eine Österreich – Krimi – Auslage, nachsichtig lächelnd las er die Titel. In diesem Moment sah er Margaretha Absamer, die Wanderkarten studierte.

„Sagen Sie“, trat er auf sie zu, „ich habe Sie nie gefragt – aber die Salami, die Sie von Saccho gekauft haben, war die eigentlich gut?“

Die junge Frau sah ihn erschrocken an, er sah, wie sie schluckte.

„Nicht so besonders“, sagte sie schließlich, steckte die Karte, die sie in der Hand gehalten hatte, zurück und lächelte schwach, „Auf Wiedersehen…“

Wetzstein war sehr gut gelaunt, wie immer, wenn ein Fall gut und schnell abgeschlossen war, und strahlte: „Ja gerne, aber dann vielleicht privat, nicht?“

Sie nickte fassungslos und sah ihm nach, wie er in der Buchhandlung verschwand.


- Letztes Kapitel -

 

Wetzstein hielt direkt am Straßenrand, querte beide Fahrbahnen und stellte erleichtert fest, dass auch dieses türkische Geschäft es mit den Öffnungszeiten nicht so genau nahm. Wieder einmal konnte er sich nicht zwischen roten und grünen Oliven knoblauchgefüllt entscheiden und nahm von beiden, und natürlich Brot – und schließlich auch Käse, er konnte nicht widerstehen.

Auf der Fahrt nach Hause lief auf FM 4 eine Reportage über Joan Baez. Es wurden Lieder angespielt, die er schon längst vergessen hatte. „Here`s to you….“, er summte mit mehr Begeisterung als Begabung mit, „die Ballade über Saccho und Vanzetti, die beiden Gewerkschaftsführer, die aus politischen Gründen hingerichtet wurden“, so der Kommentar im Radio.

„Politische Gründe“, dachte Wetzstein, „kann man bei unserem Saccho eindeutig ausschließen….“

Womit er absolut recht hatte.

 

- Allerletztes Kapitel -

 

Margaretha erreichte ihre Wohnung mit letzter Kraft. Sie ließ sich auf die Couch fallen und schloss die Augen.

Als sie später ins Bad ging, sah sie ein einsames tiefschwarzes Haar im Waschbecken.

Gedankenverloren spülte sie es weg.